Für Österreichs Sozialdienste haben neue Institutionen und Praktiken der Lohnfestsetzung auf nationaler Ebene einen sozialen Bereich gestärkt. In diesem Abschnitt wird die Bildung eines nationalen Arbeitgeberverbandes mit Tarifrechten beschrieben, die dann den sozialen Bereich entscheidend geprägt haben. Im nächsten Abschnitt werden die historischen Auseinandersetzungen um den räumlichen Umfang und umfangder Feldgrenzen und -praktiken nachgezeichnet und insbesondere, wie regionale und lokale politische Akteure sich gegen einen flächendeckenden Tarifvertrag ausgesprochen haben. Der letzte Teil dieses Abschnitts befasst sich mit dem aktuellen Stand der Feldgrenzen und -praktiken und ihren Auswirkungen auf die Wahrnehmung, die Interessen und das Verhalten der Teilnehmer vor Ort, einschließlich transnationaler Anbieter sozialer Dienstleistungen. Um die institutionellen Perspektiven zu ergänzen, die externe Triebkräfte des institutionellen Wandels hervorheben, konzentriert sich dieser Artikel auf die Endogeneität: die lokalen, regionalen und (trans-)nationalen Akteure und Institutionen, die dazu beitragen, Kollektive Verhandlungspraktiken zu schaffen, zu gestalten oder aufzulösen, und wie ihr Verhalten Auswirkungen auf transnationale Märkte und symbolische Ordnungen hat. Die wirtschaftliche Liberalisierung sowie Gegenmaßnahmen bestimmter “Gesellschaften” mit besonderen Traditionen können den institutionellen Wandel und die Kontinuität vorantreiben (Streeck und Thelen 2005, S. 4). Diese Prozesse resultieren in erster Linie aus materiellen und symbolischen Konflikten innerhalb und über miteinander verbundene soziale Bereiche (Bourdieu und Wacquant 1992; Fligstein 2001). Konflikte in Lohnbildungsfeldern könnten aus verschiedenen Quellen her, wie z. B.

Arbeitnehmer, die versuchen, ihre Rechte zu schützen, Unternehmen, die Produktion und Dienstleistungen vor Wettbewerbern schützen, oder Regierungen, die Sparmaßnahmen durchsetzen, die die Machtverhältnisse zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern beeinträchtigen. Die Lohnfestsetzung findet in der Regel an der Schnittstelle von Märkten und politisch-administrativen Bereichen statt, und es ist eine empirische Frage, ob Arbeitsbeziehungen mit unterschiedlichen Lohnverhandlungspraktiken und -grenzen geschaffen und aufrechterhalten werden können. Der Tarifvertrag für Arbeitnehmer der Film- und Fernsehbranche (TV FFS) vom 29. Mai 2018 sieht keine Kurzarbeitsvergütung vor. So klar, so eindeutig. Die Corona-Pandemie hat all das verändert. Der Bundesverband Schauspiel, ver.di und das Produzentenbündnis haben sich geeinigt: Es gibt jetzt einen Kurzarbeitstarifvertrag für die Filmindustrie. Kollektive Akteure, die mächtige Positionen einnehmen und am meisten von den aktuellen Feldkonfigurationen profitieren, werden oft als “Etablierte” bezeichnet, und diejenigen, die weniger profitieren, sind “Herausforderer” (Fligstein 2001).